Auge

Was bedeutet Fazialisparese, Gesichtsnervenlähmung am Auge

Bei der Fazialisparese handelt es sich um eine Lähmung des Gesichtsnerven, die entweder einseitig oder beidseitig auftreten kann. Die Fazialislähmung kann plötzlich „idiopathisch“ auftreten, sie kann nach einem Trauma oder auch nach einer Tumoroperation auftreten. Durch die Nervenlähmung entsteht eine Erschlaffung der Gesichtsmuskulatur, die das Herabhängen des Unterlides, das Herabhängen des Mundwinkels, die Unfähigkeit des Lächelns oder der Zuspitzung der Lippen bedingt. Zusätzlich kann das Gehör, der Geschmack und der Tränen- und Speichelfluss beeinträchtigt sein.

Die Ursache der idiopathischen Fazialisparese kann häufig nicht abschließend geklärt werden. Insektenstiche, Entzündungen, Durchblutungsstörungen (z.B. Schlaganfall) können diese verursachen. In ca. 80% der Fälle ist eine solche Lähmung komplett rückläufig.

Die „periphere“ Fazialisparese umfaßt eine Lähmung des Gesichtsnerven ohne Beteiligung der Stirn. Ursache hierfür ist entweder ein Unfall (Trauma) mit einem Gesichtsschädelbruch im Nervenkanal oder ein Tumor im Kleinhirnbrückenwinkel. Entweder entsteht die Lähmung durch den Druck des Tumors auf den Nerven oder nach der Entfernung des Tumors. Eine Rückbildung der Lähmung ist in den meisten Fällen nicht zu erwarten.

Sollte eine Fazialisparese keine Rückbildungstendenz zeigen, ist eine operative Therapie notwendig. Diese dient der Wiederherstellung der muskulären Funktion im Gesicht, hat allerdings keinen Einfluß auf die Beeinträchtigung des Gehörs, des Geschmacks und der Tränen- und Speichelflüssigkeit.

Informationen zum operativen Eingriff

Bei den Ersatzoperationen können grundsätzlich statische und dynamische Verfahren unterschieden werden.

Bei den statischen Operationen wird körpereigenes Gewebe verwendet, um die Haltefunktion an den Lidern sowie am Mundwinkel wiederherzustellen

Die dynamischee Rekonstruktion erfolgt durch eine Nerventransplantation von einer Gesichtshälfte zur anderen. Zusätzlich kann eine Muskeltransplantation durchgeführt werden, um die geschädigte Muskelfunktion zu ersetzen. Mit mehrmonatigem Training kann insbesondere bei jüngeren Patienten eine erfolgversprechende Rekonstruktion erzielt werden.

Eine weitere Möglichkeit der dynamischen Rekonstruktion ist eine Nervenverbindung mit einem gesunden bestehenden Nerven der betroffenen Seite (Babysitter-Nerv). Ein funktionierender Nerv der nicht zur Fazialisgruppe gehört wird an einen gelähmten Ast mikrochirurgisch angeschlossen und versorgt dann nach einem Zeitintervall den betroffenen Nerv motorisch. Oft werden mehrere operative Verfahren miteinander kombiniert.

Die dynamische Rekonstruktion nach Gillies und McLaughlin durch Muskeltransposition sind ebenfalls adäquate und erfolgversprechende Operationsmethoden. Bei der Muskeltransposition nach Gillies wird ein Streifen vom Musculus temporalis mit 2 eigenen Sehnenstreifen zum medialen kanthalen Ligament geführt und verankert. So kann durch Aktivierung (Aufbeißen) des Musculus temporalis ein Augenschluss aktiv erzielt werden.

Siehe Bild

Zusammenfassung der rekonstruktiven Möglichkeiten

Augen:

  • Tarsorrhaphie
  • Mediale Kantopexie der Augenwinkel
  • Muskelersatzplasik nach Gillies
  • Anheben des Augenunterlides durch ein Knorpeltransplantat
  • Botox Therapie

Gesicht:

  • Bei frischem Trauma: mikrochirurgische Rekonstruktion
  • Muskelersatzplastik mit Musculus temporalis (nach McLaughlin)
  • Cross-Face Nerventransplantation
  • Nervenauftropfung auf den Nervus masseterericus (Babysitter-Nerv)
  • Mikrochirurgische freie Muskeltransplantation

Die für Sie notwendige Operationstechnik besprechen wir gerne in einem persönlichen Gespräch.

Klinikaufenthalt und Anästhesie

Die meisten Eingriffe werden in Vollnarkose durchgeführt. Je nach Größe des Eingriffes ist ein stationärer Aufenthalt notwendig, der zwischen 4 und 6 Tagen beträgt.

Nach der Operation ist eine Schwellung des Gesichtes zu vermerken, die innerhalb der nächsten 4 Wochen rückläufig ist. Ein endgültiges Ergebnis ist allerdings erst nach ca 6 Monaten zu erwarten. Direkt nach der Operation sind ggf. Muskelübungen notwendig.

Trotz größter Sorgfalt sind Operationen immer mit Risiken verbunden. So können aufgrund der großen Wundflächen Blutergüsse bis hin zu Nachblutungen entstehen. Auch Entzündungen der Wundflächen und dadurch bedingte Wundheilungsstörungen können auftreten. Die Narben und das Operationsgebiet können nach dem Eingriff gefühlsärmer sein. Dies normalisiert sich innerhalb der ersten 8 Wochen. Leichte Asymmetrien oder störende Narben können zu einem späteren Termin ambulant korrigiert werden.

Gerne beraten wir Sie persönlich in unserer Sprechstunde.