Dupuytren-Erkrankung

Was bedeutet Dupuytrensche Kontraktur | Dupuytren Erkrankung (Palmarfibromatose)

Baron Guillaume Dupuytren hat diese Erkrankung im 18. Jahrhundert erstmals beschrieben, daher die Namensgebung.

Bei der Dupuytrenschen-Kontraktur handelt es sich um eine knotige bzw. strangförmige Verdickung des Hohlhandbindegewebes in der Handinnenfläche (der sog. Palmaraponeurose), das sich unterhalb der Haut und oberhalb der Beugesehnen befindet.

Oftmals beginnt die Erkrankung mit einer knotigen Verdickung dieser Hohlhandfaszie in der Handinnenfläche (Palmarfibromatose) und breitet sich oft auf den Kleinfinger und Ringfinger hin aus, kann aber auch an anderen Fingern oder am Daumen auftreten. Hierbei kommt es zu einer langsamen Einziehung der Finger in die Handinnenfläche, so daß die betroffenen Finger nicht mehr voll gestreckt werden können. Die Erkrankung tritt auch familiär gehäuft auf, in Kombination mit Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Leberschädigung, infolge chronisch mechanischer Irritationen oder spontan. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Die knotenförmige Verdickung kann auf die Handfläche beschränkt bleiben (Stadium 0) – dann ist eine Operation indiziert, wenn Schmerzen vorliegen. Dehnt sich das strangförmige Gewebe auf die Finger aus, unterscheidet man nach Tubiana 3 weitere Stadien, die mit einer zunehmenden Einziehung der Finger einhergehen. Im höchsten Stadium ist der Finger nahezu komplett in die Handfläche eingezogen. In diesem Stadium ist eine operative Korrektur mit erhöhten Risiken für eine Durchblutungsstörung und Gefühlsstörung bis hin zum Verlust des Fingers und Wundheilungsstörung der Haut verbunden, vor allem wenn es sich um ein Rezidiv also eine erneute Erkrankung handelt. Es kann aber auch sein, daß die Erkrankung in einem bestimmten Stadium verbleibt oder sich nicht oder nur sehr langsam verschlechtert.

Je nach Leidensdruck und Schweregrad der Kontraktur sollten Sie selber entscheiden, wann Sie sich einer Operation unterziehen möchten. Selbstverständlich stehen wir Ihnen beratend zur Seite.

Informationen zur Operation

Vor der Operation sollten Sie keine offenen Wunden oder Kratzer an der betreffenden Hand haben, da hierdurch das Infektionsrisiko erhöht ist.

Bei sehr derber und harter Haut sollte die Hand mehrere Tage vor OP mit einer gut fettenden Handcreme gepflegt und eventuell am Abend vor der OP ein desinfizierendes Handbad durchgeführt werden.

Bei der Operation wird das strangförmig verdickte Gewebe von der Hohlhand bis zum Fingermittel-bzw. Endglied vollständig entfernt. Wir nennen dies im Fachbegriff eine „ partielle Fasziektomie oder Aponeurektomie“. Durch die Operation können Sie den betroffenen Finger wieder nahezu komplett strecken, was vorher nicht möglich war. Sind mehrere Finger oder auch der Daumen betroffen, entscheiden wir gemeinsam, in welcher Reihenfolge die Operation erfolgen wird.

Die Operation wird in sogenannter „Blutsperre„ durchgeführt d.h. daß an Ihrem Arm eine Blutdruckmanschette angelegt und aufgepumpt wird, um möglichst blutungsfrei und unter guter Sicht operieren zu können. Die Schnittführung wird bei frühen Stadien der Erkrankung zickzackförmig gewählt (nach Bruner), sodaß im späteren Verlauf keine Narbenzüge der Haut entstehen. Bei weit fortgeschrittenen Stadien erfolgt die Schnittführung in Form von kleinen lokalen Hautverschiebungen (sogenannten Z-Plastiken nach Iselin). Nun wird in einer detaillierten und sorgfältigen Präparation mit Schonung von umgebenden Gefäßen und Nerven unter Verwendung einer Lupenbrille der verdickte Faszienstrang aus dem umgebenden Gewebe herausgelöst.

Hierbei können einzelne Fingernerven einen ungewöhnlichen Verlauf um den Faszienstrang nehmen, sodaß durch das Herauslösen und Beiseitehalten des Nerven eventuell für einige Wochen ein vermindertes Gefühl an dem betreffenden Finger auftreten kann.

Bei länger bestehenden Kontrakturen wird eventuell eine operative Lösung des Fingermittelgelenkes im Sinnen einer sogenannten „Arthrolyse“ notwendig.

Sollte bei fortgeschrittenen Stadien bzw. Rezidiven, ein Hauttransplantat zum Wundverschluß notwendig werden, kann dies am Arm oder Bein entnommen werden.

Nach Öffnen der Blutsperre und Blutstillung wird eine kleine Wunddrainage eingelegt und die Haut mit vielen kleinen Einzelfäden verschlossen. Es wird ein Kompressionsverband mit Kompressen, Watte und elastischer Binde angelegt, eventuell eine Gipsschiene als Streckschiene für einige Tage nach der Operation.

Klinikaufenthalt und Narkose

Die Operation kann in Vollnarkose oder in einer lokalen Betäubung des Armnervengeflechtes ( Plexusanästhesie) durchgeführt werden. Der operative Eingriff kann ambulant erfolgen, bei Rezidiven ist aufgrund möglicher Durchblutungsstörungen der Finger ein Klinikaufenthalt zu empfehlen.

Alternative Behandlungsmethoden

Sind Sie für einen operativen Eingriff aufgrund von schweren Vorerkrankungen nicht geeignet, könnte alternativ eine sogenannte „perkutane Nadelfasziotomie“ (Durchtrennung des Bindegewebsstranges durch die Haut hindurch) an einem einzelnen Strang in lokaler Betäubung des Fingers durchgeführt werden.

Dieses Verfahren kann nur angewendet werden, wenn ein schmaler Bindegewebsstrang, vorzugsweise im Bereich der Mittelhand vorliegt. Hierbei wird mit einer dünnen Kanüle der Strang durch die Haut hindurch punktuell mehrfach durchstochen und kann somit aufgebrochen werden. Es ist kein Hautschnitt nötig. Mit dieser Nadelfasziotomie wird der Strang aber nur durchtrennt und der Finger streckbarer, die Ursache (der Strang selbst) verbleibt in der Hand. Ein Rezidiv kann frühzeitig wiederauftreten.

Das Einspritzen eines bestimmten Enzyms („Kollagenase“) in den Strang empfehlen wir nicht, da es hierbei zu schweren Komplikationen wie Entzündungen der Hand und Auflösung von Sehnen – bzw. Nervengewebe mit entsprechenden Funktionsausfällen kommen kann.

Das genaue Vorgehen und die für Sie optimale, individuelle Therapieplanung werden wir in einem ausführlichen Gespräch mit Ihnen zusammen erarbeiten.