INTERPLAST – Einsatz auf den Philippinen 2008/2009

Über unsere Anästhesieschwester, die von den Philippinen stammt, kam der Kontakt zu dem Bürgermeister der Stadt Bakolod auf der Insel Negros zustande. Er hatte bereits in der Vergangenheit verschiedene Einsätze auf der Insel organisiert und suchte ein Team für einen weiteren Einsatz.

Noch vor Silvester reisten wir an. Unser Team bestand aus Dr. Klaus Exner und ich Dr. Bianca Baican als plastische Chirurgen, Fr. Dr. Susanne El –Sigai als Handchirurgie, Prof. Dr. Ulrich Exner als Orthopäde, Dr. Axel Fischer und Dr. Genia Kunits als Anästhesisten, Aaron Warnke Marinay als Anästhesiepfleger, Dorothee Köhler und Alexandra Backhaus als Op Schwestern und Bernd Winters als Sozialarbeiter

Auf den Philippinen waren drei Einsatzorte vorgesehen, an denen wir jeweils drei Tage verbrachten. Somit konnten wir zwar vielen Patienten unsere Versorgung anbieten. Im Gegenzug mußten wir abends immer lange Fahrten bewerkstelligen, um die postoperativen Visiten am jeweils vorhergehenden Einsatzort zu absolvieren.

Zu Silvester wurde uns empfohlen nicht auf der Straße zu feiern, da die Feuerwerkskörper meist illegal hergestellt werden würden, eine viel zu kurze Zündschnurr besäßen und oft kreuz und quer abgefeuert werden würden. Das Ausmaß der Verletzungen sahen wir in den nächsten Tagen im Krankenhaus. In dem städtischen Krankenhaus von Bakolod lagen auf mehreren Stationen verteilt viele Patienten mit schweren Handverletzungen. Meist waren dies Kinder zwischen 6 und 16 Jahren. So teilte sich da Team auf. Unsere Handchirurgin Fr. Dr. El Sigai und Prof. Ulrich Exner blieben in Bakolod und waren 3 Tage mit der Versorgung der Silvesterverletzungen beschäftigt.

Dr. Exner und ich fuhren wieder zurück ins letzte Krankenhaus. Hier hatte uns eine Krankenschwester am Tag unserer Abreise in ein Patientenzimmer gezogen und uns einen kleinen Jungen vorgestellt. Er wurde vor 11 Monaten auf der Straße von einem LKW erfaßt und hatte dadurch große Hautdefekte an den Oberschenkeln und am Rücken davon getragen. Eine Hauttransplantation wurde versucht, wobei dies mangels ausreichender Instrumente  nicht gelang. Es entstand leider eine zusätzliche nicht heilende Wunde. Mit unserem mitgebrachten Instrumentarium konnten wir viel Haut gewinnen, die Haut ausdehnen und transplantieren. Die Druckverbände konnten wir auf dem Weg zum Flughafen, nach unserem Einsatz am dritten Ort, entfernen und uns davon überzeugen, daß die Haut gut angewachsen war. Wie wir später in einer Mail erfuhren, konnte der kleine Junge bereits 2 Wochen nach der OP entlassen werden, nach einem Aufenthalt von 11 Monaten.